Abschied von einer prägenden Sozialpolitikerin und einer Wegbereiterin der Gleichstellung

Barbara Stolterfoht, die frühere hessische Staatsministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung sowie ehemalige Landtagsabgeordnete, ist tot. Sie starb im Alter von 80 Jahren in Berlin.

Zum Tode von Barbara Stolterfoht sagte die SPD-Fraktions- und Landesvorsitzende Nancy Faeser am Sonntag:

„Barbara Stolterfoht stand in den langen Jahren ihrer politischen Arbeit für eine mutige, aber dennoch ausgewogene Sozialpolitik, die sie immer auch als Politik für die Gleichberechtigung der Geschlechter und für die Förderung der Frauen verstand. Ihre Analysen zum Stand der Gleichstellung waren immer klar, ihre Lösungsansätze durchdacht. Für die vielen Frauen, die heute ganz selbstverständlich in der Politik, in staatlichen Institutionen und auch in der Wirtschaft Spitzenpositionen ausfüllen, war Barbara Stolterfoht eine Wegbereiterin. Dank ihr war Hessen zu Zeiten der Motor einer fortschrittlichen Gesellschaftspolitik für ganz Deutschland. Trotz aller Erfolge in der Gleichstellung sah sie aber bis zuletzt keinen Anlass zur Zufriedenheit, beispielsweise als sie enttäuscht feststellte, dass die Frauenbewegung an Solidarität verloren und sich gespalten habe ‚in die Besserverdienenden – und die anderen‘. Die Sozialdemokratie verliert mit Barbara Stolterfoht eine lebenskluge Intellektuelle, die es verstand, wissenschaftliche Erkenntnis und persönliche Lebenserfahrung in praktische Politik für die Menschen zu übersetzen. Die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag und die SPD Hessen werden Barbara Stolterfoht immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

 

Biographische Informationen:

Barbara Stolterfoht wurde 1940 im Sudetenland geboren, wuchs in Bielefeld auf und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Erzieherin, ehe sie auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur ablegte und anschließend in Göttingen, Paris und Berlin Wirtschafts-, Sozial- und Politikwissenschaften studierte.

Nach Stationen als stellvertretende Geschäftsführerin des Wissenschaftszentrums Berlin und als Referatsleiterin bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln kam sie als Referentin zum Bundesvorstand der SPD.

1984 berief der damalige Kasseler Oberbürgermeister Hans Eichel Stolterfoht zur ersten Frauenbeauftragten einer deutschen Kommune. Ab 1985 amtierte Barbara Stolterfoht in Kassel als Stadträtin für Frauen, Gesundheit, Soziales und Krankenhäuser, ab 1992 war sie Landesdirektorin des Landeswohlfahrtsverbandes.

1995 wurde sie als Staatsministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung in die hessische Landesregierung unter Ministerpräsident Hans Eichel berufen. Von 1999 bis 2003 war Barbara Stolterfoht Mitglied des Hessischen Landtags und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion.

Von 2000 bis 2008 leitete sie als Vorsitzende den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, von 2005 bis 2007 war sie zusätzlich Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

2005 wurde Barbara Stolterfoht mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt, 2012 mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen.