Nancy Faeser kritisiert Conti-Management: „Verhalten des Konzerns ist inakzeptabel“

Nachdem der Aufsichtsrat von Continental heute die Schließung des Standortes Karben bis Ende 2024 bestätigt hat, erneuerte die hessische SPD-Chefin Nancy Faeser ihrer Kritik am Management des Konzerns. Faeser, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag und der SPD Hessen, sagte am Mittwochabend in Wiesbaden: „Hier wird ein Job-Kahlschlag geplant, der sich in diesem Umfang nicht rechtfertigen lässt – auch nicht mit der Corona-Krise. Offensichtlich will Conti im Windschatten von Corona ein drastisches Kostensenkungsprogramm zu Lasten der Beschäftigten durchziehen, um den Aktionären auch in Zukunft hohe Dividenden ausschütten zu können.“ Insgesamt sollen nach Angaben des Konzerns deutschlandweit 13.000 Arbeitsplätze „verändert“ werden.

Niemand bestreite, dass der Umbruch in der Automobilindustrie die gesamte Branche vor große Herausforderungen stelle, so Nancy Faeser. Es gehöre aber zur unternehmerischen Verantwortung, strukturelle Anpassungen klug und sozialverträglich zu gestalten. „Genau das tut Conti nicht. Statt in schwierigen Zeiten gemeinsam mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften nach konsensfähigen Lösungen zu suchen, hantiert die Konzernleitung mit der großen Axt. Das widerspricht allen Werten und Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft“, sagte Nancy Faeser.

Sie wies auch darauf hin, dass der Konzern seinen Aktionären für das Geschäftsjahr 2019 noch in diesem Sommer eine Dividende von drei Euro je Aktie gezahlt habe. Faeser sagte: „Vor gerade einmal drei Monaten hat Conti 600 Millionen Euro an die Kapitaleigner ausgeschüttet – davon über 275 Millionen Euro allein an die Familie Schäffler als Großaktionär. Und jetzt stellt dasselbe Unternehmen 13.000 Arbeitsplätze in Deutschland zur Disposition. So ein Verhalten ist völlig inakzeptabel.“