Nancy Faeser und Christoph Degen: Digitaler Rückstau ist unverantwortlich

Hessen hinkt hinterher – bei der digitalen Ausstattung von Schulen und der Entwicklung eines landesweiten digitalen Bildungskonzepts, werfen die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Nancy Faeser, und der bildungspolitische Sprecher, Christoph Degen, der schwarzgrünen Landesregierung vor.

„Die Covid-19-Pandemie hat den Digitalisierungsrückstau an unseren Schulen schonungslos offengelegt. Wir befinden uns in einer Situation, in der es dank der Tatenlosigkeit der hessischen Landesregierung weder ein Konzept noch die technische Ausstattung für virtuellen Unterricht gibt. Die Digitalisierung von Schulen wurde verschlafen und deshalb müssen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer bis heute mit Notlösungen über Wasser halten“, kritisieren Faeser und Degen. Gerade in Hinblick auf die aktuelle Situation sei dieser Zustand unhaltbar. Doch schon vor der Corona-Krise habe sich die SPD-Fraktion für ein vernünftiges Maßnahmenpaket und ein landesweites digitales Bildungskonzept eingesetzt, das man heute und in der Zukunft umso mehr brauche. „Ein solches Konzept kann und muss den digitalen Fortschritt fördern und zugleich Chancenungleichheit verhindern“, erklärt Degen. Während die Landesregierung untätig bleibe und ein Konzept zum digitalen Unterricht auf sich warten lasse, gehen viele Schulen mit großen Engagement ihren eigenen Weg. Darunter die Richtsberg-Gesamtschule in Marburg, die Faeser und Degen am Donnerstagvormittag besucht haben. „Das Konzept der Schule ist vorbildlich, um eigenverantwortliches Lernen zu üben. Es gibt spezielle Lernräume, in denen Schüler der Gesamtschule klassenübergreifend mit einem Tablet lernen können“, sagt Degen. Die Schüler haben so die Möglichkeit, sich Themen ihrer Wahl selbstständig und eigenständig näher zu bringen. Die Schule sei ein gutes Beispiel für das große Engagement von Schulen und Lehrerinnen und Lehrern, die Digitalisierung voranzutreiben. „Das entbindet aber nicht die schwarzgrüne Landesregierung, die dafür bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften und in der Verantwortung steht“, so Degen.

„Man hört oft, dass das Corona-Virus der Digitalisierung einen Schub gegeben hat. Aber das stimmt so nicht. Vielmehr hat es uns vor Augen geführt, wie groß der Schub sein muss, den die Digitalisierung in unseren Schulen braucht. Unter den derzeitigen Bedingungen wäre es sinnvoll und hilfreich, Präsenz- und Fernunterricht miteinander zu verschränken. Aber das ist schlichtweg nicht möglich, weil die notwendigen Geräte und Konzepte fehlen. Zumindest die Geräte hätten über den Sommer beschafft und die Lehrkräfte für den digitalen Unterricht geschult werden können, aber auch das hat die Landesregierung verschlafen“, kritisieren Faeser und Degen. Wie rückständig der Stand der Digitalisierung an Hessens Schulen sei, zeige sich an Kleinigkeiten, wie dem Fehlen eines schnellen Internetzugangs an vielen Schulen. CDU und Grüne in Hessen seien Modernisierungsblockierer. Ohne Geld aus Berlin, das von der Großen Koalition bereitgestellt wurde, würde sich auch in Hessen gar nichts tun.

Die Fraktionsvorsitzende und der bildungspolitische Sprecher forderten Kultusminister Lorz erneut auf, schleunigst dafür zu sorgen, dass alle Lehrkräfte mit dienstlichen Endgeräten und vor allem die Schulen mit genügend Laptops, Notebooks oder Tablets ausgestattet würden. „Corona hat uns wieder einmal gezeigt, dass der Bildungserfolg in Hessen vom Geldbeutel der Eltern abhängig ist, denn in vielen Haushalten mangelt es an einem geeigneten Internetzugang und ausreichend Endgeräten. Wir haben zahlreiche Rückmeldungen erhalten, dass der Bedarf an funktionstüchtigen Endgeräten gerade in Familien mit geringerem Einkommen hoch ist“, erklärt Degen. Nach Jahren des Aussitzens müsse die digitale Bildung jetzt endlich Chefsache werden, die keinen Aufschub erlaube.