Meldung:

21. November 2016

Weiterer Zeuge weist auf Widersprüche beim Mord an Halit Yozgat hin

Alexander Horn hat in seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss heute die vielen Widersprüche in den Aussagen des hessischen Verfassungsschutzmitarbeiters Temme herausgestellt. Dieser hielt sich während oder kurz vor der Tat in dem Internetcafé in Kassel auf, in dem Halit Yozgat ermordet wurde. Herr Temme behauptet bis heute, sich dort aus privaten Gründen aufgehalten und von dem Mord nichts gesehen und nichts gehört zu haben. Diese Behauptung hat er auch vor dem Untersuchungsausschuss aufrecht erhalten. Der Zeuge Alexander Horn hat das Verhalten von Herrn Temme heute als auffällig beschrieben. Horn sagte, er selbst habe den Tatort kurz nach der Tat besichtigt und sei der Auffassung, dass man das Opfer Halit Yozgat hinter dem Schreibtisch hätte sehen müssen, wenn man – wie Temme – direkt vor dem Schreibtisch stand. Im Übrigen habe es auch auf dem Schreibtisch auffällige Blutspritzer gegeben.
Das hessische Landesamt für Verfassungsschutz sei gegenüber den polizeilichen Ermittlern mit Informationen sehr zurückhalten gewesen – ein Verhalten, das er als befremdlich wahrgenommen habe, sagte Alexander Horn vor dem Untersuchungsausschuss. Er habe in seiner Karriere noch keinen Fall erlebt, in dem ein Beamter des Verfassungsschutzes dergestalt im Fokus der Ermittlungen gestanden hätte, so Horn. Dass Herr Temme trotz des schwerwiegenden Verdachts und ungeachtet der bestehenden Verdunkelungsgefahr nicht in Untersuchungshaft genommen wurde, habe ihn und seine bayerischen Kollegen damals verwundert, sagte Alexander Horn. Auch er könne die Einschätzung der Leitungsebene des hessischen LfV der Beamte Temme „sei der beste Mann des Amtes“ nicht nachvollziehen.
Günter Rudolph, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag und Mitglied des Untersuchungsausschusses sagte nach der Vernehmung der Zeugen Horn heute: „Nahezu alle Zeugen, außer den Vertretern des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz und den politisch Verantwortlichen in Hessen, haben zu Protokoll gegeben, dass sie sowohl das Verhalten des Verfassungsschützers Temme als auch den Umgang des Landesamtes für Verfassungsschutz mit dem Fall für erstaunlich bis befremdlich halten. Alexander Horn hat diese Ansicht bestätigt und noch einmal deutlich gemacht, dass vieles von der offiziellen Version der Geschehnisse unglaubwürdig ist. Ganz offensichtlich hat der hessische Verfassungsschutz die Aufklärung des Mordes an Halit Yozgat behindert. Und der damalige Innenminister Bouffier war auf der Seite der Verhinderer und Bremser.“